Bewegungsapparat – was gehört dazu?

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    Der menschliche Bewegungsapparat ist ein ausgeklügeltes Organsystem. Es besteht grob gesagt aus zwei Elementen: dem Skelett (= Gerüst) und der Skelettmuskulatur (= Motor). Das Skelett verleiht dem Körper die Form und den Halt. Über 200 Knochen sind im Körper eines Erwachsenen durch Gelenke und Bänder verbunden. Diese sind Teil des passiven Bewegungsapparates. Sie sorgen für Stabilität und schützen zudem die inneren Organe wie das Herz oder die Lunge.

    Bewegt wird das Knochengerüst mit Hilfe des aktiven Bewegungsapparats, also der Skelettmuskulatur. Die Muskeln sind sozusagen die treibende Kraft unseres Bewegungsapparats. Gesteuert werden unsere Bewegungen durch das komplexe Zusammenspiel unserer Muskeln (= aktiver Bewegungsapparat) und unserer Knochen und Gelenke (= passiver Bewegungsapparat). Gelenk- und Muskelschmerzen bei Bewegung haben viele Ursachen.

    Warum ist Bewegung wichtig?

    Der Mensch ist ein Bewegungstier. Sich ausreichend zu bewegen ist heute gar nicht so einfach. Wir müssen im Gegensatz zu unseren Vorfahren nicht mehr stundenlang auf die Jagd gehen oder Nahrung sammeln, um satt zu werden. Viele fahren mit dem Auto zum Einkaufen oder in die Arbeit und verbringen den Rest des Tages als Stubenhocker im Büro. Bewegung? Fehlanzeige!

    Im Durchschnitt bewegt sich der Mensch heute um zwei Drittel weniger als noch vor 100 Jahren. Und das kann Folgen für das Skelett, die Gelenke und die Muskeln haben. Denn nur Bewegung regt die Regeneration des Gelenkknorpels und die Bildung von Gelenkschmiere an. Bewegungsmangel fördert daher Knorpelschäden. Viele Gelenke werden zudem durch Muskeln stabilisiert. Werden diese Muskeln nicht ausreichend trainiert, werden Gelenke falsch oder übermäßig belastet. Und auch die Muskeln selbst können verkrampfen, wenn sie nicht regelmäßig durch Bewegung gekräftigt und durchblutet werden. Ein Grund, sich nicht nur in der Freizeit, sondern auch im Alltag mehr zu bewegen. Sportmediziner empfehlen täglich mindestens eine halbe Stunde Bewegung.

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    Welche Aufgaben hat der aktive Bewegungsapparat?

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    Nur die Skelettmuskeln zählen zum aktiven Bewegungsapparat. Die Skelettmuskeln sorgen durch Kontraktion (= Zusammenziehen) für Mobilität. Zur Skelettmuskulatur (= Bewegungsmuskulatur) zählen die Arm- und Beinmuskulatur, die Rumpfmuskulatur, die Rückenmuskulatur und die Kopf- und Halsmuskeln. Mit Hilfe der Skelettmuskulatur können wir unsere Arme, Beine, den Rumpf oder den Kopf und manche sogar die Ohren willentlich bewegen. Viele Muskeln spüren wir erst, wenn sie schmerzen, beispielsweise weil sie verspannt sind oder wir sie beim Sport verletzt haben.

    Insgesamt gibt es 656 verschiedene Muskeln in unserem Körper. Bei einem gesunden Menschen macht das gesamte Muskelgewebe rund 50 Prozent des Körpergewichts aus.

    Wozu braucht der Mensch Muskeln?

    Es gibt drei verschiedene Muskelarten, die alle unterschiedliche Funktionen im Körper wahrnehmen.

    • Herzmuskulatur (Myokard): Herzmuskelzellen pumpen pro Minute rund fünf Liter Blut durch den Körper. Die Herzmuskulatur ist quergestreift und kann nicht willentlich gesteuert werden.
    • Glatte Muskulatur: Diese Muskeln sind in Hohlorganen wie der Harnblase, dem Darm oder den Blutgefäßen aktiv und steuern deren Volumen. Wie die Herzmuskeln kann die glatte Muskulatur nicht durch unsere Willenskraft gelenkt werden.
    • Skelettmuskulatur: Die quergestreifte Skelettmuskulatur kann willentlich aktiviert und gesteuert werden. Die Skelettmuskeln sind für die Bewegung zuständig und stabilisieren gleichzeitig die Körperhaltung. Sehnen verankern die Muskeln am Knochen.
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    Welche Hilfsorgane unterstützen den aktiven Bewegungsapparat?

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    • Sehnen: Ohne die Sehnen wäre keine körperliche Bewegung möglich, da sie die von den Muskeln erzeugte mechanische Kraft auf die Knochen übertragen. Sehnen ähneln einem glänzenden weißen Band und sind nicht sehr dehnbar. Sie befestigen die Muskeln am Knochen. Übermäßige Belastung kann zu einer Sehnenentzündung (Tendinitis) führen.

    • Sehnenscheiden: Einige Sehnen sind von Sehnenscheiden umgeben. Diese enthalten Gelenkschmiere und schützen vor zu viel Reibung. Wiederholte, starke Belastung kann vor allem im Handgelenk, im Fuß und im Knöchel für eine Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis) verantwortlich sein.

    • Faszien: Faszien sind muskuläres Bindegewebe, das Organe und Muskeln wie ein Netzwerk umgibt und stützt und bei der muskulären Kraftübertragung eine Rolle spielt. Faszien können bei Überbelastung verkleben und verhärten. Verklebte Faszien können schmerzen und die Beweglichkeit deutlich einschränken.

    • Schleimbeutel: Schleimbeutel sind kleine, mit Gewebsflüssigkeit gefüllte Säckchen. Sie sind an Stellen im Körper positioniert, die öfter erhöhtem mechanischen Druck ausgesetzt sind. Also beispielsweise in der Nähe von Gelenken wie dem Knie, Ellenbogen oder an der Schulter. Drucküberlastung kann gerade bei älteren Menschen zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) führen. Auch durch eine bakterielle Infektion oder einen Unfall kann sich ein Schleimbeutel entzünden.

    Welche Aufgaben hat der passive Bewegungsapparat (Stützapparat)?

    Der passive Bewegungsapparat ist unser körpereigenes Gerüst. Es stützt den Körper und gibt ihm seine Form. Zudem schützt er die inneren Organe wie beispielsweise das Herz, das Gehirn oder die Lunge. Der passive Bewegungsapparat setzt sich aus dem Skelett und weiteren Bestandteilen zusammen.

    Knochen und Gelenke – wie viele hat der Mensch?

    Der Mensch hat über 200 Knochen und ungefähr 100 Gelenke. Zum passiven Bewegungsapparat zählen weitere "Verbindungsstücke" und "Puffer". Hier ein Überblick:

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    • Knochen: Das menschliche Skelett zählt zwischen 208 und 216 Knochen. Für die Beweglichkeit des Skeletts sorgen Muskeln, Bänder, Sehnen und die Gelenke. Eine typische Erkrankung des Bewegungsapparates ist die Osteoporose, von der viele Frauen in den Wechseljahren verstärkt betroffen sind.
    • Gelenke: Gelenke sind die beweglichen Verbindungsglieder zwischen mindestens zwei Knochen. Über 100 Gelenke legen in unserem Körper den Bewegungsradius und die Richtung fest. Durch Verschleiß, Über- und Fehlbelastung können Erkrankungen wie eine Arthrose oder Arthritis auftreten. Diese können zu Gelenkschmerzen und einer eingeschränkten Beweglichkeit führen.
    • Knorpel: Knorpel ist das elastische, sehr widerstandsfähige Stützgewebe hauptsächlich der Gelenke. Knorpelgewebe wird in der Regel stark belastet und nutzt im Alter ab. Mögliche Folgen sind ArthroseArthritis oder ein Bandscheibenvorfall.
    • Bandscheiben: Die Bandscheiben dienen als eine Art Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Sie fangen beispielsweise Erschütterungen beim Gehen ab. Bandscheibenvorfälle entstehen durch Belastung, Fehlhaltung und Abnutzung. Ein Bandscheibenvorfall kann aber auch genetische Ursachen haben.
    • Bänder: Bänder verbinden und stützen die beweglichen Teile unseres Skeletts. Sie sind nicht sehr dehnbar und schränken dadurch den Bewegungsradius funktional ein. Kehrseite der Medaille sind Verstauchungen oder Bänderrisse, Bänderdehnungen und Bänderzerrungen, beispielsweise durch Sportunfälle.

    Wirbelsäule – welche Aufgaben hat sie?

    • Die Wirbelsäule ist eine bewegliche Achse und ermöglicht uns Bewegungen in jede Richtung.

    • Die Wirbelsäule trägt die Last von Kopf, Hals, Armen und Rumpf

    • Durch ihre S-Form federt die Wirbelsäule den Körper gegen Stöße ab.

    • Die Wirbelsäule umgibt und schützt das Rückenmark.

    • Die Wirbelsäule verbindet viele Teile des Skeletts.
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